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Anita Augspurg (1867-1943)
„Nichts ist unmöglich. Anita Augspurg – eine biografische Recherche“


Anita Augspurg, Foto: Sophie Goudstikker, Atelier Elvira 1902, Wikimedia Commons

Anita Augspurg, Foto: Sophie Goudstikker (1865-1924), Atelier Elvira 1902, Wikimedia Commons

Zürich 1895. Der männliche Blick: „...eine Zeitlang ass auch die kriegiersche Führerin des Internationalen Frauenvereins mit uns, die Juristin Anita Augspurg. (…) Sie war schon als Studentin von einem ungeheuren Selbstbewusstsein. Mit (…) ihrer starken, wohlklingenden Stimme verfocht sie ihre Thesen mit grossem Nachdruck, liess keine andere Meinung neben der ihrigen aufkommen und wies abweichende Ansichten mit schneidender Schärfe zurück. (…)
Anita Augspurg wurde 1867 geboren und starb 1943. In ihrem langen, ereignisreichen Leben hat sie fast alle Möglichkeiten einer unabhängigen weiblichen Existenz ausgeschritten und diese entscheidend erweitert.“

Berneike, Christiane: „Nichts ist unmöglich. Anita Augspurg – eine biografische Recherche". In: Frau ohne Herz, 33/1994, S. 3-9. Zürich/Schweiz.

Weiterlesen im pdf. Text aus dem Jahr 1993 als pdf zum Download pdf (5,4 MB)


Den downloadbaren Text über Leben und Werk von Anita Augspurg ergänzend, hier eine Anmerkung zu ihrer Position zu „Rassenhygiene“/„Eugenik“:

„Die Ideen der Rassenhygiene zur Verbesserung des Erbgutes sind – häufig zum Schrecken konservativer Eugeniker – seit Beginn des 20. Jahrhunderts von der radikalen Frauenbewegung aufgegriffen worden. (…) Die Theorie der Rassenhygiene ist für sie (Anita Augspurg) kein Instrument des Staates zur Kontrolle und Förderung der Geburtenzahlen. Ihr geht es um die sexuelle Selbstbestimmung der Frau, deren Gesundheit Vorrang haben soll vor dem staatlichen Interesse an einer hohen Geburtenziffer. (…). Dennoch – auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Schrecken der nationalsozialistischen Eugenik damals noch unbekannt sind – bleibt eine Irritation. Zum einen nimmt Anita Augspurg den 'Kampf um's Dasein' im Darwin'schen Sinne hier als Vorbild für die menschliche Gesellschaft. Die Idee der Zuchtwahl nach körperlichen Eigenschaften wie Stärke, Gesundheit und Durchsetzungsfähigkeit werden kritiklos als Garant für die Fortentwicklung der Menschheit übernommen. Während Augspurg bisher das Recht des Stärkeren als Grundlage des Männerstaats stets massiv kritisiert hat, soll nun die Befreiung der Frau das Ziel haben, den stärksten und lebenstüchtigsten Erbgutträgern für die Nachkommenschaft auszuwählen. Eine ähnliche Haltung hat sie bereits 1903 auf einer Tagung des Verbandes fortschrittlicher Frauenvereine formuliert. Ihre revolutionäre Forderung nach einer allgemeinen Mutterschaftsrente begründete sie damals damit, dass der Staat ein generelles Interesse an der Verbesserung des Menschenmaterials habe und erst die wirtschaftliche Sicherstellung die Frau in den Stand setzte, ihren ureigensten Beruf, – die Verbesserung der Rasse – zu erfüllen.“

Aus: Henke, Christiane: Anita Augspurg. Reinbek (rororo) 2000, S. 61f.



Literatur und neuere Forschung


Buchpublikationen von Christiane Henke bzw. Berneike (unter diesem Namen bis 1995)


Die Frauenfrage ist Rechtsfrage. Die Juristinnen der deutschen Frauenbewegung und das Bürgerliche Gesetzbuch, Baden-Baden (Nomos) 1995
Anita Augspurg, Reinbek 2000 (rororo bildmonographien)

Buchpublikation von Susanne Kinnebrock


Anita Augspurg. Feministin und Pazifistin zwischen Journalismus und Politik. Eine kommunikationshistorische Biografie. Herbolzheim (Centaurus) 2005



Quellen, herausgegeben von Margrit Twellmann und Christiane Henke


Lida Gustava Heymann, Anita Augspurg: Erlebtes – Erschautes: Deutsche Frauen kämpfen für Freiheit, Recht und Frieden 1850-1940 Hg. von Margrit Twellmann, Königstein/Ts. (Ulrike Helmer Verlag) 2001
Anita Augspurg. Rechtspolitische Schriften. Kommentierte Studienausgabe. Hg. von Christiane Henke, Köln u.a. (Böhlau Verlag) 2013



Aufsätze, Vorträge, Kalender von Christiane Henke bzw. Berneike (unter diesem Namen bis 1995)


„Nichts ist unmöglich.“ Anita Augspurg – eine biographische Recherche. Vortrag zum 50. Todestag von Anita Augspurg an der Universität Zürich am 10.12.1993, abgedruckt in: Zürcher Taschenbuch auf das Jahr 1995, Zürich 1994, S. 155-185
Eine Nachbemerkung zu „Anita Augspurg - eine biographische Recherche“, in: Frau ohne Herz, 34/1994, S. 24f
Dr. jur. Anita Augspurg, in: Justitias Töchter. Frühen Juristinnen auf der Spur, hg. Von Constanze Plett und Karin Diegelman, Konstanz 1999 (Wandkalender)
Gleichheit und Gerechtigkeit als feministische Rechtsforderungen. Anita Augspurg und Hedwig Dohm. Vortrag im Rahmen eines Kolloquiums des Fachbereichs Rechtsgeschichte der Universität Hannover 2004, abgedruckt in: Frauenrecht und Rechtsgeschichte. Die Rechtskämpfe der deutschen Frauenbewegung, hg. von Stephan Meder, Arne Duncker und Andrea Czelk, Köln u.a. 2006
Wo ist das Recht der Frau? Die erste deutsche Juristin Anita Augspurg, in: Spirale der Zeit 5/2009, S. 23-28
Wo ist das Recht der Frau? Zwei Wege, ein Ziel: Anita Augspurg und Clara Zetkin im Portrait, in: ZEIT Geschichte 4/2010 (Das deutsche Kaiserreich), S. 56-59
Dr. jur. Anita Augspurg – eine biographische Recherche, in: Heimatkalender für den Landkreis Verden 2010, Verden 2009



Radiosendungen Christiane Henke


„Wir Frauenrechtlerinnen“. Anita Augspurg und Emilie Kempin. Radiofeature. Deutschlandfunk 1998 (50 Minuten)
Zum 50. Todestag von Anita Augspurg. Beitrag. RBB 20.12.2003
Peace Women – Vaterlandsverräterinnen. Die internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit. Radiofeature. Deutschlandfunk 2004 (45 Minuten)



Fernsehsendungen von Christiane Henke und Susanne Kinnebrock


Anita Augspurg. Fernsehfeature von Heike Bretschneider. Wissenschaftliche Beratung: Christiane Henke und Susanne Kinnebrock. BR 2003



Theaterstücke von Christiane Henke


Mach das Buch zu – heirate mich. Anita Augspurg – ein Lebensmonolog. Uraufführung Verden 2010
Theaterankündigung als pdf: pdf (1,5 MB)


Anilid. Anita Augspurg im Exil. Uraufführung Verden 2011