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Hildegard Helene Friederike Moniac (1891-1967)


Hildegard Moniac um 1953 © Peter Gutsche/Christiane Leidinger

Hildegard Moniac wurde am 29. März 1891 in Friedenau, Kreis Teltow geboren. In Berlin aufgewachsen, absolvierte sie 1911 im Lette-Verein, der u.a. Berufsqualifizierungsmaßnahmen für Frauen durchführte, ihre Prüfung als Gewerbeschullehrerin für Schneiderei und Putz. In der Zeit von 1913 bis 1933 war sie in der Spreemetropole als Gewerbeoberschullehrerin tätig; dann wurde sie nach § 4 des sog. Berufsbeamtengesetzes als "politisch unzuverlässig" durch die Nationalsozialisten entlassen.


Seit Ende der dreißiger Jahre unterstützte sie ihre kranke Lebensgefährtin Johanna Elberskirchen in deren homöopathischer Praxis in Rüdersdorf. Die beiden Frauen hatten sich 1914 kennengelernt und lebten bis 1919 in Berlin. Ein Jahr später zogen sie nach Rüdersdorf und kauften sich dort gemeinsam ein Haus in der damaligen Luisenstraße 32.


Während der Weimarer Republik war Hildegard Moniac Mitfrau in der USPD und organisierte gemeinsam mit SPD-Genossen bis 1933 die Jugendweihe in Rüdersdorf. 1945/1946 war sie bis zur politisch umstrittenen Vereinigung von SPD und KPD zur SED in der SPD aktiv. Rüdersdorfer ZeitzeugInnenberichten zufolge machte sie sich später in der SED um die SeniorInnenarbeit verdient.


Nachdem die Rote Armee das von ihr nach Kriegsende besetzte Gebäude der Grundschule Alt-Rüdersdorf verließ, wurde die seit 1881 existierende Schule unter Leitung von Hildegard Moniac am 15. Oktober 1945 wieder eröffnet. 1951 wurde sie, so heißt es, im Interesse des Dienstes, an die ortsansässige Berufsschule versetzt. Als Hintergrund ihrer Versetzung, die vom Protest seitens der Elternschaft begleitet wurde, lassen sich politische Motive und damit in Zusammenhang stehend möglicherweise ihre Homosexualität vermuten. 1954 soll sie gesundheits- und altersbedingt aus dem Schuldienst ausgeschieden sein.


Bis zu ihrem Tod am 3. August 1967 mit 76 Jahren lebte Hildegard Moniac mit ihrer späteren Lebensgefährtin Luitgarde, „Luli“ Kettner (1914-1977), ebenfalls Lehrerin der Alt-Rüdersdorfer Grundschule, im Haus in der Luisenstraße.



© Christiane Leidinger (Berlin 2003)


Neue Forschung:
_Leidinger, Christiane: Keine Tochter aus gutem Hause - Johanna Elberskirchen (1864-1943). Konstanz: UVK 2008.


Zitiervorschlag:
Leidinger, Christiane: Hildegard Helene Friederike Moniac (1891-1967) [online]. Berlin 2003. Available from: Online-Projekt Lesbengeschichte. Boxhammer, Ingeborg/Leidinger, Christiane. URL <http://www.lesbengeschichte.de/bio_moniac_d.html> [cited DATE].