Lesbische Spuren im Film


Die fünfziger Jahre – Erneut 'Mädchen in Uniform'

Es dauerte bis 1958, bis wieder ein erkennbar lesbisches Thema in den Vordergrund eines Films rückte. Neben einigen ausländischen Remakes1 probierte sich Geza von Radvanyi an Winsloes "Mädchen in Uniform". Fast alle KritikerInnen sind sich einig, dass dieses Drama preußisches Regelwerk verharmlost und der Vorlage seine Schärfe nimmt.2 Stefanie Hetze ließ sich sogar zu der Schlussfolgerung hinreißen, dass Radvanyi "die Konflikte um die auch hier als 'ungeheuerlich' bezeichnete enge Beziehung zwischen Manuela und Fräulein von Bernburg nur wenig glaubhaft umsetzte".3 Diese Einschätzung teile ich – obwohl ich Hetzes Bahn brechendes und hervorragend geschriebenes Buch sehr schätze – nicht. Die erotischen Spannungen zwischen Manuela von Meinhardis (hier Romy Schneider, sic!) und Fräulein von Bernburg (die unterkühlt und dennoch brodelnd wirkende Lilly Palmer) sind schlicht unübersehbar!4 Fräulein von Bernburg übt mit Manuela deren Theatertext ein, den die Lehrerin noch "höchst wacklig" findet. Nicht der zwar auch leidenschaftliche Don Carlos der Version von 1931 steht hier vor der Lehrerin, nein, diesmal ist es sogar Romeo, der seiner Julia aufwartet. (Deutlicher konnte doch das Theaterstück gar nicht gewählt werden!) Und bei dieser Probe ist Manuela dermaßen eins mit ihrer Rolle, dass sie – hast du nicht gesehen! – die vergötterte Lehrerin, ihr Fräulein von Bernburg mitten auf den Mund küsst! Dazu nähert sich die Kamera den beiden an, fährt um sie herum, beguckt sie von allen Seiten wie ein Liebespaar. Freilich ist der Tenor der Verfilmung den betulichen Filminhalten der Fünfziger angepasst. Radvanyi legte mehr Wert auf den melodramatischen Charakter des Stoffes als auf die